Sky

Hoist the sails!

 

Setzt die Segel!

 

In diesem Sommer habe ich drei Dinge gelernt:

1. Why living on the edge if you can jump over it?! 

 

Warst du schon einmal hart an der Grenze? Am äußersten Limit oder am Rande des Möglichen? Standst zu schon einmal an einem hohen Kliff oder auf der Spitze eines Berges? Hast du dir schon einmal gedacht, bis hierhin und nicht weiter, ich hab Alles gegeben, mehr geht nicht?

Sommer in Petrinja war mir eine echte Herausforderung. Eine, auf die ich mich eigentlich gefreut hatte wie auf jede andere auch. Bis sich die Vorfreude in Sorge verwandelte, als mir klar wurde, dass das Zu Erwartende weniger überraschend als schockierend sein würde und der erhoffte Erfolg zum bitteren Misserfolg wurde / ein bitteres Ende nahm. Dass es überhaupt ein Ende nahm, war gleichzeitig auch das einzig Gute daran. Und der Urlaub, der danach kommen würde.

…und was hast du dann gemacht? Hast du den Atem angehalten oder bist gar zurück getreten? Bist du zurück zum Festland gelaufen oder wieder bergab gestiegen?

 …hattest du Alles gegeben, mehr ging wirklich nicht?

Ich bin an die Küste gefahren. Hab mir die Adria und ihr Städtchen und Insel angeschaut. War ja alles ganz schick. Aber worauf ich mich eigentlich die ganze Zeit lang gefreut hatte war Šibenik. Und seine Brücke!

Was ich dann gemacht habe? Ich bin gesprungen!

 

2. Im Gegenwind lassen sich die Segel am besten setzten.

 

Ich hatte die Schnauze voll von Petrinja. Ich wollte nur noch weg gehen und auch weg bleiben! Keine Lust mehr auf diese Stadt voller verwahrloster Hunde. Keine Lust mehr auf diese lärmenden Straßen gepflastert mit Schlaglöchern und dunklen Laternen. Keine Lust mehr auf diese staubige, verrauchte Luft mit diesem Hauch von Zerfall, der sich langsam zum Wind entwickelte. Mir den Dreck direkt ins Gesicht wehte als wolle er mir die Tränen in die Augen und mich aus der Stadt treiben.

Ok, das war’s. Bis hierhin und nicht weiter. Ich segel gern hart am Wind aber irgendwann muss auch mal Schluss sein. Mehr geht nicht. Ich hab Alles gegeben.

Also bin ich gegangen. Und wohl zum ersten Mal in meinem jungen Leben musste ich mich geschlagen geben. Diese Stadt hatte es tatsächlich geschafft mich zu besiegen. Aber nicht, mich zu vertreiben. Natürlich würde ich zurückkommen, denn Aufzugeben stand gar nicht zur Debatte. Aber wie sollte ich das bloß anstellen? Wie sollte ich diesem Gegenwind weiter standhalten? Wie könnte ich zufrieden zurückkehren, ohne mich dem zu ergeben?

Was ich jetzt machen soll? Naja, ich hab Alles gegeben und es hat dennoch nicht ausgereicht. Mehr ging nicht. Was soll ich also anderes tun als einfach wieder zurück zum Festland zu laufen oder wieder bergab zu steigen?!

Ich bin Segeln gegangen. Die meiste Zeit war es relativ windstill aber langsam nahm der Wind zu. Eines Morgens konnte ich’s kaum erwarten, die Segel zu setzen – Wind, Sonne, Wasser und ein fettes Schiff mit riesen Segeln. Also dann volle Kraft voraus, oder?! „Der Captain meinte grad, wir müssen uns erst einmal in den Wind drehen. Im Gegenwind ist es leichter und besser, die Segel zu setzen.“

Moment mal. Hatte ich wirklich Alles gegeben? Oder war da noch mehr…?

Ich muss unbedingt zurück nach Petrinja und mich seinem Gegenwind stellen.

Wo sonst könnte ich meine Segel besser setzen, wenn nicht da?!

An den letzten beiden Tagen hatten wir perfekten Wind! Oder war es eher der Kapitän, der einfach nur wusste, wie man die Segel perfekt setzt?

 

3. Wenn du auf dem Wasser gehen willst, steig‘ aus dem Boot!

 

Eigentlich ist es nicht nur meine Glaube sondern meine Lebensphilosophie, nach immer mehr zu streben und immer mehr zu finden. Grenzen zu überschreiten. Manchmal denken wir, ein Hindernis wär eine unüberwindliche Hürde. Manchmal sieht eine große Stufe aus wie das Ende der Treppe. Manchmal glauben wir, die Spitze des Berges erreicht zu haben und stehen doch nur auf einem Felsvorsprung oder stellen von dort aus fest, dass wir nur einen Berg inmitten eines weiten Gebirges erklommen haben. Manchmal können wir dann einfach drüber springen, weiter steigen, höher klettern. Aber manchmal ist man gezwungen, kurz innezuhalten und sich vielleicht sogar zunächst auszuruhen. Nur solange man weiß, wie der Wind steht, wann man die Segel setzen muss und wie man sie setzen muss. Und dann volle Kraft voraus!

Denn an jedem Morgen sind wir einen Schritt weiter.

Das wusste ich doch schon vorher, aber hab ich es wirklich verstanden? 

 

Bridge - Hoist the sails!

 

Hoist the sails!

 

There are three main things that I learned this summer:

 

1. Why living on the edge if you can jump over it?!

 

Have you ever been on the edge of something? An impassable limit or an insuperable threshold? On a steep cliff or on top of a mountain? Did you ever think you can’t go further or higher? Did you ever reach the peak?…

Summer in Petrinja was a true challenge for me. A challenge that I had been looking forward to like always do. Until excitement turned into anxiety when I realized that this time the unexpected will be rather shocking than surprising and the result I had hoped for turned into a total failure. The only good thing about Summer in Petrinja appeared to be its end and the holydays which were to follow.

…and what did you do? Did you stand holding your breath or shy away? Did you walk back to the mainland or climb down to the foot? …did you really reach the peak?

I went to the coast. Saw the seaside, cities and islands. All pretty nice. But what I was really looking forward to was Šibenik. And its bridge!

What I did? I jumped!

 

2. Hoisting sails is best to be done facing head wind.

 

I was so fed up with Petrinja that I just wanted to leave and stay away from it! I didn’t like its streets rife with homeless dogs. I didn’t like its buildings blotched with bullet holes and cracks in their walls. I didn’t like its potholed roads with all the noises and dark street lamps. I didn’t like its air thickened with dust, smoke and breezes of collapse which in my eyes all in all turned into a wind that constantly blew in my face and chased me away from here.  

This is it. I like sailing near the wind but at some point I do have to admit that I can’t go any further, that I’ve reached the peak.    

So I left. And probably for the first time in my young live I realized that I had to admit a defeat. This town truly managed to overwhelm me. Not to chase me away though. I knew I would come back as giving in was never to be an option but how would I get up to this? How would I be able to stand that wind that I couldn’t face anymore. How can I come back in peace but not in capitulation?

What I’m gonna do now? Well, I’ve reached my peak and got defeated. I couldn’t do any better. What else would I do if not walking back to the mainland or climbing down the mountain again?!

I went on a sailing trip. The sea was calm most of the time but it slowly became more and more windy. The other day I couldn’t wait to hoist the sails – we had wind, sun, ocean and big boot with massive sails. What more would we need to go full speed ahead? “The captain said, first we have to turn to face the wind. It’s better and easier to hoist he sails in head wind.”

Hold on. Did I really reach the peak? Or is there more behind the edge…?

I have to go back to Petrinja and face its wind that I couldn’t stand anymore!

Where else could I better hoist my sails?!

The last two days we had perfect wind. Or was it rather our captain who just perfectly adjusted the sails to the wind?

 

3. If you want to walk on water, get out of the boat! 

 

It’s not only my religion but my philosophy of live that there is always more to reach out for and to achieve. Sometimes you just confuse border and barriers, edges and ledges, limits and levels, peaks and pinnacles. Sometimes you can just jump over. Sometimes it’s not that easy and you have to pause or maybe even rest a little. Just until the wind shows its direction and you know how to adjust your sails. When to shorten, when to hoist and when to give full speed ahead. 

And each tomorrow will find you further than today.

I knew that earlier but did I understand?

 

Alfred - Hoist the sails!